Geschäftsstelle Nachbarschaftshilfe
und soziale Dienstleistungen

im Programm

Zuhause im Alter

Methoden zur Initiierung aktiver Nachbarschaften

Wie werden Nachbarschaften lebendig? Wie kann man Menschen motivieren,
in ihrem Quartier aktiv zu werden? Diese Frage war für einige Projekte die Motivation, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und eigeneIdeen umzusetzen: sie setzen Schlüsselpersonen als Türöffner ein, nutzen neue Wege zur Kommunikation oder sprechen die Menschen mit kreativen Methoden an. Viele dieser Methoden
stammen aus dem Fortbildungsprogramm „Nachbarschaftswerkstatt“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS).


(Aktivierende) Befragungen

Um mehr über die Bedürfnisse älterer Menschen oder pflegender Angehöriger zu erfahren und Angebote der Unterstützung oder Versorgung besser darauf ausrichten zu können, wurden in mehreren Projekten Befragungen durchgeführt.
Dazu wurden teilweise sehr umfangreiche Fragebögen entwickelt. Aktivierende Befragungen erfassen zugleich die Bereitschaft und Ressourcen der Zielgruppe, sich selbst an der Umsetzung von lokalen Veränderungsprozessen zu beteiligen.
In u Bremen/Bremen-Huchting hat die Paritätische Gesellschaft für Soziale Dienste mbH einen Fragebogen für die rund 250 aktiven Nachbarschaftshelferinnen und -helfer entwickelt, um Erkenntnisse zu Motiven und Potentialen von bürgerschaftlichem Engagement zu gewinnen und Ansatzpunkte für die Engagementförderung zu identifizieren.


Dämmerschoppen an der Baustelle

Um die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Rauner frühzeitig in die Entstehung ihres neuen Quartiersbüros in der Eichendorffstraße 73 einzubeziehen, luden das Seniorenzentrum St. Hedwig und die Kreisbaugenossenschaft
Kirchheim-Plochingen eG zum „Dämmerschoppen an der Baustelle“. Rund 50
Menschen aus dem Quartier kamen jeweils an einem späteren Nachmittag, um sich bei Häppchen und Getränken zu informieren, was sich seit Baubeginn im Quartiersprojekt wirRauner alles getan hatte. Bei dieser Gelegenheit konnten nicht nur Fragen beantwortet werden.

Es fanden sich gleich auch Menschen aus dem Stadtteil, die den Bau nach seiner Fertigstellung mit Engagement, Aktivitäten und Leben füllen wollten. Im Winter fand der Austausch passend zur Adventszeit bei Punsch, Plätzchen, Live-Musik,
Gedichten und Lagerfeuer statt.


Foto: Agnes Boeßner

Die Geschichte der Doris Blum

Große und kleine Holzfiguren symbolisieren die Menschen um eine fiktive Frau, Doris Blum. Ihre vom Kontakt über Kinder und Beruf entstandenen sozialen Netze verschwinden mit zunehmendem Alter, bis zuletzt die Holzfigur der 83-jährigen Blum alleine da steht. Die Geschichte visualisiert, wie wichtig es ist, rechtzeitig und langfristig neue soziale Netze im eigenen Wohnumfeld
aufzubauen, sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen
und gemeinsam in der Nachbarschaft aktiv zu werden. Karin Nell vom Evangelischen
Erwachsenenbildungswerk Nordrhein stellte die Geschichte in der „Nachbarschaftswerkstatt“ der BaS vor.


Digitale Ehrenamtsbörse

Um das Angebot und die Nachfrage nach kleinen Unterstützungsleistungen im Alltag besser zu koordinieren, hat eine bürgerschaftlich engagierte Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Ökumenischen Sozialstation Bendorf-Vallendar eine digitale Ehrenamtsbörse entwickelt.

Zu den ehrenamtlichen Angeboten gehören Botengänge zu Apotheken und Ämtern, Begleitungen zur Arztpraxis oder zum Einkauf, Hilfen beim Ausfüllen von Formularen oder in Haus und Garten sowie Besuche bei Menschen, die einsam sind. Gesucht werden über die Börse gleichzeitig Talente und Menschen, die sich mit ihren  Erfahrungen ehrenamtlich engagieren möchten und Lust haben, neue Kontakte zu
knüpfen. Der Weg zur Online-Registrierung führt über den Button „Mitmachen“.


Digitale soziale Netzwerke / facebook

Der Verein „Leben im Stadtteil“ nutzt das soziale Netzwerk facebook intensiv für seine Öffentlichkeitsarbeit. Immer aktuell werden hier Hinweise auf eigene Veranstaltungen, Neues von Netzwerktreffen, Interessantes von Kooperationspartnerinnen und -partnern oder einfach Aufgelesenes zum Thema Leben im Alter platziert. Auch ein Post zur Abschlussveranstaltung im Programm „Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen“ ist dabei. Die Seite hat schon rund 90 Fans.
https://de-de.facebook.com/zuhause.alt.werden


Ehrenamtliche Kümmererinnen und Kümmerer

Ehrenamtliche Ansprechpersonen für die Nachbarschaftsarbeit in Gemeinden oder
Stadtteilen zu benennen, ist in mehreren Projekten erfolgreich praktiziert worden. In Spangenberg heißen sie Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer, im Landkreis Göttingen sind es die Dorfmoderatorinnen und Dorfmoderatoren, in Germersheim die Seniorenbeauftragten und in einigen Stadtteilen in Hamburg die Quartiersbotschafterinnen und Quartiersbotschafter. Sie wissen über die Angebote für Ältere in der Region Bescheid, haben ein offenes Ohr für die Wünsche und Probleme der älteren Bürgerinnen und Bürger und regen selbst gemeinschaftliche Aktivitäten an. Besonders gut funktioniert dieser Ansatz dort, wo die ehrenamtlichen Kümmererinnen und Kümmerer durch direkten Zugang zur Stadtverwaltung konkrete Veränderungen für die Belange der Älteren bewirken können oder wo sie durch die
kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -träger unterstützt werden.



Foto: BaS e.V.

Fotoausstellung „Gesichter und Geschichten der Nachbarschaftshilfe“

„Frau B. ist mit ihren 99 Jahren quickfidel. Im letzten Sommer hat sie zusammen mit Frau V., ihrer Nachbarschaftshelferin, 27 Gläser Bohnen eingekocht.“ Dies ist nur eins von vielen Beispielen aus der Fotoausstellung, die Nadja Susemichel, Kulturwissenschaftlerin und Leiterin des Projekts „Nachbarschaften schaffen“ der Paritätischen Gesellschaft für soziale Dienste Bremen, konzipiert hat. 21 Portraits mit kurzen Texten geben einen Einblick in die Beziehungen, die zwischen  Nachbarschaftshelferin bzw. -helfer und Kundin bzw. Kunde in der organisierten Nachbarschaftshilfe entstanden sind. Die Visualisierung zeigt, dass das Engagement über eine rein praktische Hilfe im Alltag hinausgeht. Helfende und Hilfebedürftige teilen ein Stück Alltag und erfahren Geben und Nehmen auf beiden Seiten.
Die öffentliche Ausstellung im Stadtteil hat sich als gutes Instrument für eine Wertschätzung des sozialen Engagements erwiesen und hat dazu beigetragen, die organisierte Nachbarschaftshilfe im Bremen-Huchting bekannter zu machen.
Die Bilder und Texte sind auch in einem schönen Bildband erschienen.


Herzensangelegenheiten und Pralinenschachteln

Was haben Pralinen mit lebendiger Nachbarschaftsarbeit zu tun? Wie Pralinen sind aktivierende Methoden vielfältig, attraktiv, sinnlich erfahrbar und kommunikationsfördernd. Und vielfältig sind auch die Interessen der Bewohnerinnen
und Bewohner. Karin Nell, Referentin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks
Nordrhein, zeigte in der „Nachbarschaftswerkstatt“ der BaS, wie jede und jeder durch eine biografische Spurensuche die eigenen Herzensangelegenheiten wiederentdecken kann: Was habe ich als Kind gerne gemacht? Was hat mich schon immer interessiert?
Wer oder was liegt mir am Herzen? Diese und andere Fragen führen zur Entscheidung
über das persönliche Engagement.


Foto: Agnes Boeßner

Nachbarschaftsmodell

Papier, Schere, Kleber, sonst nichts. „Bauen Sie daraus ein Nachbarschaftsmodell der Zukunft!“ lautete die Aufgabe für die Teilnehmenden des Fortbildungsprogramms „Nachbarschaftswerkstatt“ der BaS. In Kleingruppen entstanden völlig unterschiedliche Modelle, die viel Stoff für Diskussionen lieferten.
Das Interessante an dieser Übung ist nicht nur das fertige Modell, sondern auch der Weg dorthin: Wie verständigten sich die Beteiligten? Wie wurden sie sich über die Ziele des Modells einig? Wer baute was und warum? Der Modellbau symbolisiert damit die vielfältigen Verständigungsprozesse, die auch in realen Nachbarschaftsprojekten
stattfinden.


Nachrichten aus der Zukunft

„Drohne statt Telefonkette: In einem Modellprojekt wurde die tägliche Telefonkette durch Drohnen ersetzt, die Einblick in die Wohnungen aller Seniorinnen und Senioren über 60 Jahren nehmen. Die Einwohnerinnen und Einwohner werden verpflichtet, Rollos und Gardinen geöffnet zu halten und Toilettenfenster mit durchsichtigen
Scheiben auszustatten.“ Dies ist eine der Horror-Nachrichten, die Teilnehmende im Fortbildungsprogramm „Nachbarschaftswerkstatt“ der BaS für eine „Tagesschau 2030“ entwickelten. Die Aufgabe war, sich die Situation alter Menschen vorzustellen in einer Zukunft mit allen Folgen des demografischen Wandels, der technischen und kulturellen Veränderungen. Im Umkehrschluss sammelten die Teilnehmenden Ideen, wie lebendige Nachbarschaftsarbeit solchen Entwicklungen entgegenwirken kann.


Quartiersfotobuch

Menschen, die wegen körperlicher Einschränkungen das Haus nur selten oder nicht mehr verlassen können, interessieren sich oft noch sehr dafür, was in „ihrem“ Stadtteil passiert. Um sie an neuen Entwicklungen teilhaben zu lassen, wurde
im Projekt „Nachbarschaften schaffen“ der Paritätischen Gesellschaft für Soziale Dienste Bremen ein Quartiersfotobuch entwickelt. Dafür haben Nachbarschaftshelferinnen markante Orte im Stadtteil fotografiert, die sich in den letzten fünf Jahren verändert haben. Mit kurzen Kommentierungen versehen, wurden sie in einem Drogeriemarkt zu einem gebundenen Bildband zusammengestellt.
Das Fotobuch „Huchting heute“ wird von den Nachbarschaftshelferinnen und -helfern in Huchting zu Hausbesuchen mitgenommen und ist Anlass für Gespräche über das Gestern und Heute im Stadtteil. Es steht auch in der örtlichen Zweigstelle der Stadtteilbibliothek zur allgemeinen Ausleihe zur Verfügung.


Stellenanzeige für Ehrenamtliche

Die Kreisverwaltung Germersheim hat ihre Suche nach Seniorenbeauftragten in den örtlichen Amtsblättern bekannt gegeben und hier Stellenanzeigen mit einer Aufgabenbeschreibung geschaltet. Ebenso wichtig war die persönliche Ansprache
von lokalen Schlüsselpersonen, die bereits für ihr soziales Engagement bekannt waren.



Foto: Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal e. V.

„Sommerakademie“ zu einem selbst gewählten Thema

Eine Woche im Quartier zum Thema „Schokolade“: Wenn einige Leute dazu Ideen sammeln, entstehen vielfältige Aktionen, bei denen Jung und Alt zusammen kommen, sich kennen lernen, gemeinsam werkeln und genießen. Karin Nell, Referentin bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Nordrhein, stellte die Idee als „Sommerakademie“ in der „Nachbarschaftswerkstatt“ der BaS vor. Die Teilnehmenden sammelten innerhalb kürzester Zeit viele Möglichkeiten, wie eine solche Woche gestaltet werden könnte. Auch zu anderen Themen wie „Herz“, „Tür“ oder „Spiele“ lässt sich leicht ein Programm füllen. Ohne „Problem-Zeigefinger“ werden hier die Sinne angesprochen. Und trotzdem – oder vielleicht deswegen – knüpfen sich aus den Begegnungen der Bewohnerinnen und Bewohner soziale Netze, die die Grundlage für ein Engagement im Stadtteil bilden können.
Die Methode „Sommerakademie“ wurde auch in der programmbegleitenden „Methodenwerkstatt Aktive Nachbarschaft“ vorgestellt und von mehreren Projektträgerinnen und -trägern noch in der Programmlaufzeit erfolgreich multipliziert:

In Hessen / Ebersburg hat der Verein Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal e. V. in 2014 mit Ehrenamtlichen eine Sommerakademie zum Thema „Bauen und Backen“ durchgeführt. Mitten im Ort entstand ein Lehmbackofen, der nun für Backofenfeste und jahreszeitbezogene Backaktionen zum Motto Pizza, Maronen oder Bratäpfel genutzt wird.

Auch im Saarland / Saarbrücken-Brebach wurde diese Methode aufgegriffen und als Senioren- Sommer-Woche umgesetzt. Seniorinnen und Senioren aus dem Stadtteil stellten ihre persönlichen Hobbies und Fähigkeiten in Workshops vor und leiteten  diese. Alt und Jung fühlten sich von den Angeboten Kreatives Gestalten, Lieder-
Welt-Reise, Gesundheitsangebote oder Kinonachmittag angesprochen und füllten diese mit Leben.



Foto: WSG Wohnungs- und Siedlungs-GmbH

Tablet-PCs und interaktive Monitore auf Stelen

In Dortmund wurde in einem „LivingLab“ erprobt, wie virtuelle Medien nachbarschaftliche Prozesse sinnvoll ergänzen und befördern können. Mit Hilfe
von Studierenden der Universität Siegen erlernten acht ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnungs- und Siedlungs-GmbH den Umgang mit dem Tablet-PC und vermittelten den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihre Anforderungen an nutzerfreundliche, quartiersbezogene Anwendungen.
An verschiedenen Hauseingängen wurden in der Wohnsiedlung Stelen aufgestellt, die in Augenhöhe mit einem Touchscreen ausgerüstet sind. Per „Fingerwisch“ sind damit alle aktuellen Informationen über Angebote im Quartier verfügbar.


Tag der offenen Gärten

  • Nordrhein-Westfalen / Ahlen

Bereits seit 2009 organisiert die Stadt Ahlen jährlich einen „Tag der offenen Gärten“, bei dem Privatleute an einem Sommersonntag ihre Gärten für Interessierte öffnen. Im Projekt hat die Leitstelle „Älter werden in Ahlen“ die Idee noch ausgeweitet: Startpunkt ist nun das städtische Begegnungszentrum „Mittrops Hof“. Engagierte
aus dem dortigen Nachbarschaftsprojekt sorgen für Kaffee, Kuchen und türkische Spezialitäten und verteilen grüne Taschen mit Informationsmaterial
und Routenplänen zu den offenen Gärten. Der Gartentag findet jährlich mehr Anklang und ist gleichzeitig Anlass für die Werbung neuer Ehrenamtlicher: Gesucht werden ortskundige Fahrradfahrerinnen und -fahrer, die Gäste auf der Route begleiten, sowie neue „Gartengastgeberinnen und -gastgeber“.