Geschäftsstelle Nachbarschaftshilfe
und soziale Dienstleistungen

im Programm

Zuhause im Alter

Bilanz und Perspektiven

Abschlussveranstaltung im Programm „Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen“  

am 4. November 2014

im Umweltforum Auferstehungskirche Berlin

Mehr als 100 Teilnehmende kamen am 4. November 2014 zur Abschlussveranstaltung des Programms „Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen“ nach Berlin, um die Erfolge von rund 50 geförderten Projekten vorzustellen und zu würdigen sowie Perspektiven für die Zukunft zu beleuchten.

Der hohe, helle Raum im Umweltforum der Auferstehungskirche bot dafür den passenden Rahmen und auf den Gallery-Flächen genügend Platz für die Ausstellung der Projekte.

 

 

Tagungsflyer

Fotogalerie


Eröffnung der Veranstaltung

Grußwort Elke Ferner, MdB

Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hob in ihrem Grußwort die in den Projekten geleistete Arbeit hervor: „Sie alle haben bewiesen, dass es bei uns schon heute eine Vielzahl vorbildlicher Projekte gibt, die selbstbestimmtes Leben und Wohnen im Alter auch im eigenen Quartier ermöglichen. Die beeindruckenden Beispiele sind hilfreich auch für die Arbeit an der Demografiestrategie der Bundesregierung. Sie zeigen, wie sehr alle Generationen gewinnen, wenn Energien gebündelt werden – gerade im ländlichen Raum. Das Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung und die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfe entsteht am ehesten im überschaubaren Raum der eigenen Nachbarschaft."


„Nachbarschaftshilfe und Engagement als Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels“

Dr. Lothar Dittmer, Körber-Stiftung

Dr. Lothar Dittmer berichtete in seinem Einführungsvortrag aus der Arbeit der Körber-Stiftung im Engagementfeld Nachbarschaften und richtete den Blick nach vorn:

"Die Alten von morgen werden andere sein als die Alten von gestern. Sie wollen eingebunden sein, tätig werden und Verantwortung übernehmen. Wir brauchen deshalb ein neues Bild vom Alter und ein neues Drehbuch für unser Leben. Das ist die wirkliche Herausforderung für den Umgang mit dem Alter in der Zukunft. Die Zahl der Älteren, die sich mit Kaffeenachmittagen oder Vorträgen zufrieden geben, wird sinken, die Zahl derjenigen, die mitreden, mitentscheiden, mittun wollen, wird steigen. Das ist eine unglaubliche Chance, das Alter in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen. Hier kommt dem Engagement und der Nachbarschaftshilfe eine Schlüsselrolle zu."

Präsentation


Theaterstück: „Neu in der Nachbarschaft“

von Manfred Kehr und weiteren Teilnehmenden der BaS-Nachbarschaftswerkstatt

Unter dem Titel „Neu in der Nachbarschaft“ nahmen Teilnehmende des Fortbildungsprogramms „Nachbarschaftswerkstatt“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros das nachbarschaftliche Miteinander in einem Theaterstück mit einem Augenzwinkern unter die Lupe. Das Stück war aus den gesammelten Ideen von 20 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus 13 Seniorenbüros bundesweit entwickelt und in Absprachen auf der kurseigenen Online-Plattform vorbereitet worden. „Wir können jede und jeden gebrauchen“ – dieser Ausspruch einer der Laiendarstellerinnen stand auch für alle anderen anwesenden Projekte.


Das Programm und die fachliche Begleitung

Im Interview mit der Moderatorin Daniela Wiesler-Schnalke beschrieben Stefanie Adler, Leiterin der Geschäftsstelle Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen der BaS, und Dr. Andrea Töllner vom Kooperationspartner FORUM Gemeinschaftliches Wohnen die Schwerpunkte ihrer Arbeit und die Bedeutung des Programms.

„In den Projekten sind vielfältige nachbarschaftliche Beziehungen und neue Kooperationen entstanden, die über das Programm hinaus wirken werden“ hob Stefanie Adler hervor. Ferner stehe eine „Fundgrube“ an Instrumenten, Methoden und Ideen zur Gewinnung von Ehrenamtlichen und zum Aufbau sozialer Netzwerke Verfügung, die von weiteren Initiativen genutzt werden könnten. Für die Weiterarbeit wünschte sie den Projekten, dass das vor Ort Erreichte erhalten und weiter entwickelt werden könne.

„Wohnen, Pflege und Nachbarschaften sind die Themen der Zukunft“, so Dr. Andrea Töllner vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen. In den begleiteten Projekten fänden sich vielfältige Lösungsansätze für neue Wohnformen, die dazu beitragen, dass Menschen im Quartier alt werden könnten. 


Mittagspause

In der Mittagspause gab es Gelegenheit, einen Blick in das „GeroMobil“ zu werfen und sich von Projektleiterin Monika Clasen aus der Arbeit vor Ort berichten zu lassen. Sie ist mit dem wohnmobilartigen Kleinbus auf regelmäßigen Routen im Altkreis Uecker-Randow in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs und macht dort an zentralen Plätzen der Orte (Gemeindehaus, Feuerwehr, Märkte) halt. Der mobile gerontopsychiatrische Beratungs- und Diagnosestützpunkt bietet an Ort und Stelle kostenlose und wohnortnahe Beratung, vermittelt Hilfe- und Pflegeleistungen in der Region und bietet Angehörigen Hilfestellung im Umgang mit Menschen mit Demenz.


Einblick in die Arbeit der Projekte vor Ort und ihre Lösungsansätze

Die große Bandbreite an Lösungsansätzen, die in ländlichen wie städtischen Regionen im Programm entwickelt wurden, wurde am Nachmittag in Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus sechs unterschiedlichen Projekten deutlich. Stellvertretend für alle geförderten Projekte berichteten sie von ihren Erfahrungen und Ergebnissen.


Ulli Heß, Projekt: Brebach versorgt sich selbst!

In Brebach, einem sozial benachteiligten Stadtteil Saarbrückens, wurden gezielt Migrantinnen und Migranten ohne Bildungsabschlüsse für bürgerschaftliches Engagement angesprochen. Ulli Heß berichtete, dass rund 20 Frauen in bisher zwei Qualifizierungsdurchläufen als Stadtteilhelferinnen geschult wurden. Sie besuchen Seniorinnen und Senioren zuhause, unterstützen junge Familien, und helfen bei Veranstaltungen mit. Gerade weil im Stadtteil viele ältere Menschen mit Migrationshintergrund leben, sind die Stadtteilhelferinnen Schlüsselpersonen im Netzwerk „Brebach versorgt sich selbst!“.


Sabine Matzke, Projekt: Hilfe, Rat und Tat für Mieterinnen und Mieter

„Essen verbindet!“ ist ein Erfolgsrezept im Projekt „Hilfe, Rat und Tat für Mieterinnen und Mieter“ in Dortmund, berichtete Sabine Matzke von der WohnBundBeratung NRW. In einer Wohnsiedlung der Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft mbH wurde ein Nachbarschafts-Netzwerk aufgebaut. Zentraler Bestandteil ist der in einem leerstehenden Ladenlokal eingerichtete Gemeinschaftsraum „Spick-In“, in dem vom Singen über Feste vielfältige generationsübergreifende Aktivitäten stattfinden. Die Hausmeister wurden als Lotsen für nachbarschaftliche Aktivitäten qualifiziert und sind nicht nur beim „Kaffeeklatsch mit Hausmeister“ direkte Ansprechpartner für den alltäglichen Hilfebedarf.


Martin Scheidt, Projekt: Lebenskulturhaus Gefell

Das Lebenskulturhaus Gefell wurde mit Zuschüssen aus dem Programm zu einer Keimzelle für Inklusion auf dem Lande umgestaltet. Es beherbergt eine Begegnungsstätte sowie eine Koordinierungsstelle. Behinderte ältere Menschen, die ihr ganzes Leben in stationären Einrichtungen verbracht haben, können hier Ansprechpartner treffen und ihre Freizeit gemeinsam mit anderen gestalten, erklärte Projektleiter Martin Scheidt. Für die Weiterführung des Thüringer Projekts wurde eine Förderung der Aktion Mensch beantragt.


Ulrike Jurrack, Projekt: Miteinander in Arnstadt-Ost

Ebenfalls in Thüringen gelegen ist das Wohnprojekt „Miteinander in Arnstadt-Ost“, das Ulrike Jurrack von den StadtStrategen vorstellte. Ausgehend vom nachbarschaftlichen Miteinander in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt wurde in der Projektlaufzeit eine gut funktionierende organisierte Nachbarschaftshilfe auch für externe Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil entwickelt. Öffentliche Veranstaltungen im Gemeinschaftsraum des Hauses werden ergänzt mit Qualifizierungsangeboten und selbstorganisierten Treffen wie „Englisch für Nachbarn“. „Das Thema Nachbarschaft ist jetzt viel präsenter“, stellte Jurrack fest.


Harald Nier, Projekt: Gemeinsam älter werden – Zuhause

„Gemeinsam älter werden - Zuhause“ – diese Aussage habe viele Menschen angesprochen und begeistert, beschreibt Harald Nier von der Kreisverwaltung in Germersheim die positive Wirkung des programmatischen Projekttitels. Das Ziel, ein landeskreisweites Netzwerk zum demografischen Wandel zu etablieren, wurde durch den Landrat sehr engagiert beworben. Im Ergebnis wurden in den verschiedenen Kommunen des Landkreises insgesamt bisher 28 ehrenamtliche Seniorenbeauftragte ernannt, die die Anliegen der Älteren in Politik und Verwaltung tragen. In einem moderierten Netzwerk tauschen sie sich aus und befördern die Gründung von Bürgervereinen und Nachbarschaftshilfen vor Ort. „Die Welle ist nicht mehr zu stoppen!“, beschrieb Harald Nier bildhaft den ansteckenden Erfolg des Projektes, das nun unter der Devise „Alle gewinnen“ weitergeführt geführt wird.


Claudia Rosenkranz, Projekt: Samariter-Mobil

Eine nur 18 Monate kurze Projektlaufzeit für das Nachrücker-Projekt aus Hamburg-Bramfeld erwies sich im Nachhinein als hilfreich, berichtete Claudia Rosenkranz vom Arbeiter-Samariter-Bund, Ortsverband Hamburg-Nordost: Weil sich für ein Servicebüro für Senioren keine Räumlichkeiten fanden, kamen die Projektbeteiligten auf die Idee, das Konzept in ein Auto zu verlagern. Seit einigen Monaten tourt nun  das „Samariter-Mobil“, das aus einem ausrangierten Rettungswagen entstanden ist, durch den Stadtteil. Es bringt Dienstleistungen wie Haareschneiden, Nähen, Kleinreparaturen und Beratung zu älteren Menschen im Stadtteil. Auf diese Weise werden auch benachteiligte Ältere erreicht, die den Weg zu einem Büro nicht auf sich nehmen würden.


Gallery-Walk durch die Ausstellung der Projekte und Austausch

Anschließend hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich bei einem „Gallery-Walk“ in den Seitenbereichen und auf den Galerieflächen des Umweltforums über die geförderten Projekte zu informieren und mit den haupt- und ehrenamtlich Aktiven aus den Projekten ins Gespräch zu kommen. Diese hatten eine Menge Flyer, Roll ups, Fotos und Berichte aus der Projektarbeit mit nach Berlin gebracht und standen ihren interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Rotationsprinzip Rede und Antwort. An rund 40 unterschiedlich bestückten Stellwänden gab es Informationen aus erster Hand zu den vielfältigen Aktivitäten der Projekte zur Förderung eines selbständigen Wohnens im Alter: organisierte Nachbarschaftshilfen, Helferkreise, eine Musterwohnung für Menschen mit Demenz, ehrenamtliche Betreuungsgruppen zur Entlastung pflegender Angehöriger, gemeinschaftliche Wohnprojekte, mobile Beratungs- und Versorgungsangebote, Qualifizierungen für ehrenamtlich Helfende und vieles mehr.


Zusammenfassung und Ausblick Christoph Linzbach

Christoph Linzbach, Leiter der Unterabteilung 31 der Abteilung Demografischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, lobte das besondere Engagement in den Projekten und hob die Bedeutung der Programmergebnisse für die weitere Arbeit der Bundesregierung an der Demografiestrategie hervor. 


Letzte Wortmeldung: Herta Wacker aus dem Odenwald

Mit einer „letzten Wortmeldung“ erzählte die Kabarettistin Marlene Schwarz alias „Herta Wacker aus dem Odenwald“ von einem Projekt außerhalb des Programms: Im Kostüm seien die Freiwilligen auf die Hilfebedürftigen los, „isch wollt helfe, wo soll isch anpacke?“ und hätten damit die Menschen verschreckt. Doch als die Ehrenamtlichen eine Woche später beim Hundespaziergang „ganz zufällig“ vorbeigekommen seien, hätten die Besuchten den Hund gestreichelt und von ihren Sorgen erzählt. „Dann hadd‘ isch se!“, so Herta Wacker.


Moderation: Daniela Wiesler-Schnalke, Deutsche Welle

Musikalisches Rahmenprogramm: Christopher Böhm am Bass und Paul Engelmann am Saxophon

Fotos: Sebastian Greuner


Eindrücke von der Veranstaltung

Fotos: Sebastian Greuner