Geschäftsstelle Nachbarschaftshilfe
und soziale Dienstleistungen

im Programm

Diakonisches Werk an der Saar gGmbH

Projekttitel:

Brebach versorgt sich selbst! Gemeinsam Verantwortung tragen für ein Generationen und Kulturen übergreifendes Zukunftskonzept

Projektstandort:

Saarbrücken - Stadtteil Brebach / Saarland

Förderdauer:

07/2012 - 12/2014

Schwerpunkte:

Netzwerkaufbau: neue Wirkungsnetzwerke im Stadtteil, Nachbarschaftshilfe, interkulturell, Hilfe-Mix, wohnortnahe Beratung, generationenübergreifender Ansatz - Alt und Jung zusammen, Selbstorganisation

Das Projekt

Kurzbeschreibung

In einem sozial benachteiligten Quartier wurde ein generationenübergreifendes, interkulturelles Netzwerk errichtet. Eine niedrigschwellige, multiethnische Anlaufstelle berät und unterstützt ältere Menschen und ihre Angehörigen unkompliziert und den Bedürfnissen entsprechend. Auf der Basis bestehender Netzwerke wurde eine organisierte ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe aufgebaut und fachlich unterstützt, die Menschen aus verschiedenen Kulturen auch als Helfende anspricht. Daneben wurden mit Helfertätigkeiten zu bezahlbaren Preisen auch neue Beschäftigungschancen geschaffen.

Das Kooperationsnetzwerk ist Bestandteil einer Neuausrichtung der Seniorenarbeit, die von der Stadtteilkonferenz und den darin vertretenden Akteuren wie Kommune, Kirchengemeinden, Vereinen und Migrantenorganisationen getragen wird.

Umgesetzt wurde das Projekt auf der Basis einer aktuellen Zielgruppenbefragung und Situationsanalyse und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialforschung, Organisationsentwicklung und Praxisberatung (iSPO), das an der Entwicklung und Evaluation des Projektes beteiligt war.

Maßnahmen im Projektverlauf

Netzwerkarbeit

Auf der Grundlage einer Netzwerk- und Angebotsanalyse im und für den Stadtteil wurden Inhalte und Ziele des Projektes bei verschiedenen Gruppierungen, Institutionen, Dienstleistern und Gremien vorgestellt (z. B. Runder Tisch Brebach, AG-Aktiv im Alter, Migrantinnen-/Migrantengruppe, Kassenärztliche Vereinigung (KV), Ökumenische Sozialstation, Sozialdienst des Brebacher Krankenhauses, örtlicher privater Pflegedienst, Kirchengemeinden, Seniorenbeirat der Landeshauptstadt (LHS) Saarbrücken, Monitoringgruppe zur Umsetzung des Seniorenpolitischen Konzeptes der LHS, …). Die Ergebnisse sind in die Arbeit der Clearingstelle und die Ausgestaltung des Projektes eingeflossen.

Ein Teil der gelingenden Netzwerkarbeit stellte die Arbeit des Begleitausschusses „AG-Aktiv im Alter“ dar. Er besteht aus älteren Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils und Vertreter/-innen des Pflegestützpunktes, der Senioren- und Behindertenberatung, der Landeshauptstadt, der Kirchengemeinden und Vereine in Brebach, die sich einmal im Monat treffen und seniorenrelevante Themen beraten.

Es wurde ein umfassender Seniorenwegweiser mit Stadtteilplan erstellt. Er umfasst die Angebote der Einrichtungen und Institutionen des Stadtteils sowie die neu hinzu gewonnenen Netzwerkpartner, deren Angebote und Kontaktdaten in kompakter, übersichtlicher Form.

Multiethnische Anlaufstelle/Clearingstelle

Die Clearingstelle wurde von älteren Menschen des Stadtteils und ihren Angehörigen zur Beantwortung  seniorenrelevanter Fragestellungen aufgesucht. Vorwiegende Themen der Beratung waren Pflege, Alltagshilfen und Wohnraumanpassung sowie generell Unterstützungsangebote und Leistungen für ältere Menschen und ihre Angehörigen. Bei der Entwicklung von passgenauen Unterstützungsarrangements wurde mit den örtlichen Netzwerkpartnern zusammengearbeitet. Im Bedarfsfall wurden der zuständige Pflegestützpunkt bzw. die Seniorenberatung des Regionalverbandes Saarbrücken hinzugezogen. Die Beratung der türkischstämmigen Seniorinnen/Senioren war zeitaufwendig und benötigte die Begleitung und Sprachkompetenz der im Projekt beschäftigten türkisch sprechenden Mitarbeitenden (sie sind teilweise auf Honorarbasis tätig).

Zur Dokumentation der Arbeit stand eine vom iSPO-Institut entwickelte, eigene Software zur Verfügung. Daten zu Aktivitäten, Angeboten und den Beratungen wurden von allen in das Projekt Involvierten hier eingespeist. Umfang und Art und Weise der geleisteten Arbeit wurden - nach verschiedenen Gesichtspunkten gegliedert- auf diese Weise dokumentiert und ausgewertet.

Die Nachfrage nach ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zur Unterstützung des Alltags nahme während der Projektlaufzeit spürbar zu. Der Bedarf konnte sukzessive durch passgenaue Paarbildung mit basisqualifizierten Alltagshelferinnen/Alltagshelfern gedeckt werden (s. Basisqualifizierung Stadtteilhelfer/-innen).

Fachliche Begleitung

Die interne Steuerungsgruppe (Trägervertreter, Projektmitarbeiter/-innen, iSPO-Institut) traf sich regelmäßig ca. alle vier Wochen und bei Bedarf öfter. Hier wurden die Planung und Gestaltung der nächsten Projektschritte besprochen und die einzelnen Aktivitäten ausgewertet. Ein anderer Schwerpunkt lag in der Reflexion des Projektverlaufs anhand eines Zielsystems. In 2014 galt es zudem, Perspektiven für die Arbeit über das Ende des Projektes hinaus zu entwickeln.

Das vom iSPO-Institut GmbH im Dialog mit den Praxisakteuren entwickelte Zielsystem diente der zeitlichen und inhaltlichen Strukturierung des Projektes und wurde fortlaufend entlang der aktuellen Projektschritte weiterentwickelt. Dies erleichterte den systematischen Umsetzungsprozess und diente gleichzeitig der Sicherung der übertragbaren Projektergebnisse.

Öffentlichkeitsarbeit

Eine Reihe von Aktivitäten hat stattgefunden, bzw. fanden sie fortlaufend statt. U.a. sind zu erwähnen:

  • Vorstellung des Projektes anlässlich einer Großveranstaltung der Landeshauptstadt Saarbrücken zum Europäischen Jahr für aktives Altern (im September 2012 im Rathausfestsaal)
  • Vorstellen des Projektkonzeptes und fachlicher Austausch der Projektakteure mit dem Sozialminister des Saarlandes
  • Vorstellen des Projektes bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Eingeladen waren die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aus dem Stadtteil. Sie sind ein wesentlicher Baustein des quartiersinternen Verbunds der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Brebach.
  • Die private Fasselt Stiftung (mit einem jahresbezogenen Förderbeitrag) und die Diakonie Rheinland Westfalen Lippe (Kollektenmittel „Hilfe für alte Menschen“) konnten für die finanzielle Unterstützung des Projektes gewonnen werden.
  • Vorstellung des Projektes in der Gesprächsrunde „Gesellschaftskritische Bürger/-innen“ (monatliche Treffen Interessierter zur Erörterung aktueller gesellschaftspolitischer Themen)
  • Vorstellung des Projektes in der Monitoring-Arbeitsgruppe zum Seniorenpolitischen Konzept der Landeshauptstadt Saarbrücken.
  • Vorstellung der Projektbausteine: „Basisqualifizierung Stadtteilhelfer/-innen“ und des „Wegweiser für ältere Menschen und ihre Angehörigen“ im Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Saarbrücken
  • Vorstellung des Projektes beim Verband berufstätiger Frauen (in Homburg/Saar-Pfalz-Kreis)
  • Sie unterstützen die Arbeit des Projektes mit ihrer Jahresspendenaktion 2014.
  • In der vierteljährlich erscheinenden Stadtteilzeitung „Schmelztiegel“ wird regelmäßig über den Fortgang und die Aktivitäten des Projektes berichtet

Wichtiger Teil von Öffentlichkeitsarbeit ist zudem die Präsenz der ehrenamtlich tätigen Stadtteilhelfer/-innen bei Veranstaltungen und Festen. Damit wurde das Projekt regelmäßig im Stadtteil sichtbar.

Angebote im Stadtteiltreff für Seniorinnen / Senioren und ihre Angehörigen

  • Nachmittagscafé für Seniorinnen/Senioren (einmal wöchentlich)
  • Kalligraphiekurs für türkische Frauen (generationenübergreifend; einmal wöchentlich)
  • Projekt: „Zuwanderungsgeschichte“ (in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv der LHSB)
  • Kinonachmittag für Senioren/-innen
  • Yoga-Kurs für Senioren/-innen; Frauen und Männer deutscher und türkischer Kultur nehmen teil
  • Computerkurs für Senioren/-innen beim Kultur- und Lesetreff
  • Neben den regelmäßig stattfindenden Angeboten für Seniorinnen und Senioren wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen – zweisprachig! -  angeboten. Dies sicherte die Teilhabe türkischer Seniorinnen und Senioren und ermöglichte es, Angebote kultursensibel zu gestalten.
  • Die Zusammenarbeit zwischen dem BürgerInnenZentrum und dem angeschlossenem Kultur- und Lesetreff der Landeshauptstadt Saarbrücken machte Kulturen übergreifende Veranstaltungen im Sinne einer gelingenden Integration im Stadtteil möglich.

Wichtige Projektbausteine

Ein Unterstützungs- und Pflegetagebuch in Deutsch und in Türkisch antizipiert den in der Fachdiskussion favorisierten erweiterten Begriff der Pflegebedürftigkeit und ist ein Medium, um sowohl in Familien als auch in der Beratung Einzelner besser miteinander ins Gespräch zu kommen, Ängste abzubauen und rechtzeitig die richtigen Hilfen zu entwickeln und zugänglich zu machen. U.a. der Clearingstelle diente das Unterstützungs- und Pflegetagebuch als wichtiges Hilfsmittel. In der Internen Steuerungsgruppe wurden die Erfahrungen laufend reflektiert.

In Zusammenarbeit mit dem iSPO-Institut wurde ein Konzept zur Basisqualifizierung von Stadtteilhelferinnen/-helfern und Alltagshelferinnen/-helfern entwickelt und in zwei Kursdurchgängen (mit insgesamt rd. zwanzig Stadtteilhelfer/innen) erprobt.

Die Schulung umfasste zwölf themenzentrierte Schulungseinheiten. Inhalte sind u.a. das Erlernen und Verstehen alltagspraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, eine Hygieneschulung und Grundlagen des Krankheitsbildes Demenz. Von Kursbeginn an waren die elf Teilnehmenden ehrenamtlich (aber mit einer kleinen Aufwandsentschädigung) bei Angeboten, Veranstaltungen und Festen im Stadtteil aktiv. Die „neuen“ Stadtteilhelferinnen wurden auf diese Weise für die Menschen im Stadtteil sichtbar. Für die Frauen brachte dies die Stärkung ihres Selbstbewusstseins und sie erfuhren die Wertschätzung ihrer Person und ihrer Arbeit. Flankierend fanden regelmäßig Reflexions- und Entwicklungsgespräche statt. In der letzten Phase der Schulung absolvierten alle Helferinnen Praktika bei professionellen Anbietern hauswirtschaftlicher und sozialer Dienste sowie in Privathaushalten.

Die Referentinnen und Referenten der Kurseinheiten kamen weitgehend aus kooperierenden Diensten und Institutionen. Quasi nebenbei ermöglichte dies gute Synergieeffekte mit den Netzwerkpartnern. Themeneinheiten gestalteten u.a. die Pflegedienstleitung der örtlichen ökumenischen Sozialstation, die Leiterin der sozialen Betreuung des ortsansässigen Altenheims und die Leiterin der Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen (AhA). Den Teilnehmenden gab dies die Möglichkeit spätere Beschäftigungsfelder kennen zu lernen und im Umkehrschluss konnten sich die Einrichtungen einen Eindruck über potenzielle Helferinnen verschaffen. Die Hygieneschulung hat die Industrie- und Handelskammer des Saarlandes in den Räumen des BürgerInnenZentrums Brebach durchgeführt. Einige Schulungsthemen konnten darüber hinaus trägerintern von Fachkräften der Sozialen Arbeit und der Pflege abgedeckt werden.

Zum Ende der Kurse waren die Stadtteilhelferinnen vom Bezirksbürgermeister zu einer kleinen Feierstunde in das Rathaus Brebach eingeladen. Überreicht von einer Vertreterin des Saarländischen Sozialministeriums erhielten sie ein Teilnahmezertifikat. Zu den Veranstaltungen waren auch Netzwerkpartner, Vertreter/innen seniorenrelevanter Gremien, Vertreter/innen der Vereine und Kirchengemeinden des Stadtteils eingeladen.

Im zweiten Teil der ersten Veranstaltung wurde der „Wegweiser für ältere Menschen und ihre Angehörigen in Brebach-Fechingen“ vorgestellt und offiziell an den Bezirksbürgermeister und an die anwesenden Netzwerkpartner überreicht. In den Folgetagen wurde der Wegweiser kostenlos an alle Haushalte ausgeteilt. Damit haben alle Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil sehr gute Zugangsmöglichkeiten zu Angeboten und Kontaktdaten aller Einrichtungen, Institutionen und Geschäfte im Stadtteil. Der Wegweiser ist darüber hinaus in einer Web-Version im Internet abrufbar, so dass jetzt z.B. auch Angehörigen, die außerhalb wohnen, die Möglichkeit haben, Hilfen und Unterstützungsangebote zu finden.

Zusatzinformationen

Jahresbericht 2013 "Brebach versorgt sich selbst!" (BVSS!)

Jahresbericht 2012 “Brebach versorgt sich selbst!“ (BVSS!)

Jahresbericht 2012 des BürgerInnenZentrums Brebach

Mindmap zu „Brebach versorgt sich selbst!“

Unterstützungs- und Pflegetagebuch in Deutsch und Türkisch

Web-Version des Seniorenwegweisers

Power Point zu „Brebach versorgt sich selbst!“ (Präsentation vor dem Saarländischen Sozialminister Andreas Storm)

Artikel Saarbrücker Zeitung zum Besuch von Sozialminister Andreas Storm in Brebach

Artikel Saarbrücker Zeitung/Wochenspiegel zur Abschlussveranstaltung der Stadtteilhelferinnen und Vorstellung des Seniorenwegweisers

Artikel im „arbeitnehmer“, Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes, Ausgabe Juli 2013

Dokumentation „Älter werden im Stadtteil“ (Ergebnisse des Vorläuferprojektes)

Das Projekt wurde zusätzlich gefördert von:

  • Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes
  • Fasselt-Stiftung
  • Landeshauptstadt Saarbrücken über die Co-Finanzierung aus der GWA
  • Kollektenmittel der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Kontakt

Projektträger

Diakonisches Werk an der Saar gGmbH
Rembrandtstraße 17 - 19
66540 Neunkirchen

Telefon 06821 / 956 - 1654
Fax 06821 / 956 - 165

www.dwsaar.de
osa@dwsaar.de

Ansprechpartnerinnen

Dagmar Schackmann
d.schackmann@quarternet.de
Ulli Heß
u.hess@quarternet.de

Standort

Trägerlogo

Projektlogo

Zertifikate für Stadtteilhelferinnen

Ehrenamtliche Stadtteilhelferinnen, im Hintergrund: Herr Biehl, GF DWSAAR (links), Herr Bollig, Bezirksbürgermeister (rechts)

1. Qualifizierungsstaffel

2. Qualifizierungsstaffel

Fotos: DWSAAR

Vorstellung des Seniorenwegweisers durch Frau Schackmann, DWSAAR

Foto: DWSAAR

Eindrücke aus der Schulung

Fotos: DWSAAR

Mindmap BVSS